Kulinarisches der Azoren
Ananas:
Auf São Miguel wird seit Ende des 19. Jahrhunderts Ananas in Treibhäusern angebaut. Diese ist deutlich aromatischer als mittelamerikanische Früchte (Abacaxí). Die Azoren-Ananas enthält viel Säure, selbst wenn sie sehr reif ist. Sie besitzt außerdem - so empfinden wir das zumindest - ein leichtes Kokos-Aroma. Ideal im Obstsalat und/oder sehr geschmackvoll mit Kokos-Joghurt als Dressing.
Brot (Pão):
Wie schon erwähnt, ist das Brotsortiment - wie in den meisten Ländern außerhalb Deutschlands - nicht gerade umwerfend. Eine größere Auswahl gibt es bei Continente oder Pingo Doce, auch mit Körnern (Sementes) und selten auch mit Roggenanteil (Centeio). Die Konsistenz ist fast immer locker-schwammartig, Mais-Mischbrot (Milho) ist dagegen fest, wird aber schnell trocken. Empfehlenswert ist, Brot bzw. Brötchen einzufrieren.
Der morgendliche mobile Brotservice liefert werktags um 9 Uhr frisches, lockeres Weizenbrot aus dem Nachbarort Salga, das selbst kritische Geschmäcker überzeugt. Die Brötchen, die man auf Vorbestellung um 6 Uhr geliefert bekommt, werden deutsche Gaumen allerdings weniger erfreuen.
Butter (Manteiga):
Butter ist in der Regel leicht gesalzen, was aber gut zum typisch ungesalzenen Brot passt, auch mit Marmelade, Honig etc. Der Salzgehalt ist meist niedriger als bei gesalzener Butter aus Frankreich.
Fisch (Peixe):
Fisch wird vor Ort gefangen und frisch an die Supermärkte bzw. Fischläden verkauft. Daher kann man ganzjährig frischen Fisch kaufen, außer die Fischer können wetterbedingt nicht auslaufen.
Generell gilt: auf die Augen achten: wenn trüb, dann Finger weg! Der Preis richtet sich nach der gefangenen Menge, es gibt nicht jede Fischart das ganze Jahr über.
Manche Fische eignen sich hervorragend zum Grillen, manche gar nicht, manche sehen wundervoll aus, sind geschmacklich aber langweilig oder sehr grätig. Je kleiner ein Fisch ist, desto mehr Gräten hat er im Verhältnis zum Fleisch. Fisch wird gewogen, bevor er ausgenommen wird. Bei ganzen Fischen ist nur ungefähr die Hälfte des Gewichts essbar. Hinweis für Restaurantbesuche: die Speisekarten sind oft ungenau übersetzt. Mit dem englischen »codfish« ist nicht frischer, sonder getrockneter Kabeljau, also Stockfisch
(Bacalhau) gemeint. Auch ist Peixe porco kein (karibischer) »porkfish«, sondern der graue Drückerfisch. Es empfiehlt sich daher immer, die Namen der portugiesischen Karte mit anzuschauen.
Nachfolgend unsere Eindrücke:
Abrótea (da pedra) (Dunkler Gabeldorsch, Fork-Beard). Weißes Fleisch, weich, tendiert geschmacklich etwas in Richtung Kablejau, wird im Lokal meist filetiert und ggf. paniert angeboten.
Albacora (Gelbflossen-Thun, Yellowfin Tuna). Preisgünstige Thunfischart. Im Lokal leider meist komplett durchgegart, wird dann sehr trocken. Gute Fischrestaurants bieten Albacora normalerweise nicht an.
Alfonsím (Glänzender Schleimkopf, Splendid Alfonsino). Trotz seines unglücklichen deutschen Namens ein ausgezeichneter Speisefisch; zum Grillen und Backen. Festes, weißes Fleisch, sehr schmackhaft, wenig Gräten.
Anchova (Blaufisch, Blaubarsch, Bluefish). Sehr empfehlenswerter Speisefisch, der über einen Meter lang werden kann. Restaurants bieten typischerweise gegrillte Filets an. Saftiges, helles Fleisch mit kräftig-ausgewogenem Geschmack.
Atúm (Thunfisch, Tuna). Damit ist nicht der Gelbflossen-Thun (= Albacora , s.o.) gemeint, sondern die beiden teureren Arten
Rabilo = Roter oder Blauflossen-Thun und
Voador = Weißer Thun.
Bacalhau (Stockfisch, Codfish). Gesalzener, getrockneter Kabeljau aus Norwegen, oft als Auflauf. In ganz Portugal sehr beliebt. »Codfish« auf der Karte ist in Portugal immer Stockfisch!
Besugo (Achselfleckbrasse, Axillary Seabream). Eng verwandt mit Peixão, nur kleiner, siehe dort. Wird für Suppen verwendet.
Bicuda (Gelbmaul-Barrakuda, Yellowmouth Barracuda). Ein sehr empfehlenswerter Speisefisch, in Stücke geschnitten, mehliert/gebraten oder auch gegrillt. Festes, helles Fleisch, wenig Gräten, sehr feiner Geschmack.
Boca Negra (Blaumäulchen, Blackbelly Rosefish). Wie Alfonsím, nur etwas weicheres Fleisch und deutlich häufiger zu finden.
Bodião (Gefleckter Lippfisch, Ballan Wrasse). Neutral und grätig, kein hochwertiger Speisefisch, eher für die Suppe geeignet.
Bonito (Echter Bonito, Skipjack Tuna). Ein typischer Konservenfisch der Thunfisch-/Makrelenfamilie und kaum im Restaurant zu finden, da er schnell trocken wird und erstaunlich viele Gräten besitzt. Evtl. noch als Kasserole im Buffetrestaurant. Zum Braten oder Grillen nicht empfehlenswert.
Camarões (Garnelen, Scampi, Shrimps). Werden in Restaurants meist gebraten bzw. gebacken in einer pikanten Soße serviert, z.B. nach Moçambique-Art. Sie stammen aber mangels flacher Küstengewässer nicht von den Azoren!
Cântaro (Skorpionsfisch, Offshore Rockfish). Ein weiterer exzellenter Speisefisch, sehr ähnlich Alfonsím oder Boca Negra.
Cavala (Japanische Makrele, Spanish Mackerel, Chub). Die typische Makrele. Grillen, Braten, Backen.
Cherne (Wrackbarsch, Stone Bass). Weißes Fleisch, sieht man eher auf der Speisekarte als im Fischladen. Wird wegen seiner Größe filetiert, ggf. paniert und gebraten, festes Fleisch, geschmacklich eher neutral.
Chicharro (Blauer Stöcker, Stachelmakrele, Blue Jack Mackerel). Der Brot- und Butterfisch der Azoren, schmeckt genau wie Makrele, wird nur nicht ganz so groß. Ähnlich der Sardine gibt es ihn klein (z.B. paniert und frittiert), mittel (braten) und groß (braten, grillen). Sehr gut und meist günstig.
Congro (Meeraal, Conger). Findet man z.B. in Buffet-Restaurants in Sauce geschmort. Ausgezeichnet schmeckendes, reinweißes Fleisch, aber leider etwas grätig. Am Buffet sind die "offenen" Stücke die bessere Wahl, da weniger Gräten.
Dourado (Gemeine bzw. Große Goldmakrele, Dolphinfish, Mahi-Mahi). Das ist nicht die Dorade aus dem Mittelmeer, sondern eine große Stachelmakrelenart. Sehr schmackhaft, gebraten oder gegrillt.
Encharéu (Gelbflossen-Stachelmakrele, Dentex, White Trevally). Festes, wohlschmeckendes Fleisch, wie Makrele, aber weniger fett.
Espadarte (Schwertfisch, Swordfish). Zubereitung wie Thunfisch. Sehr teuer. Nicht zu verwechseln mit Peixe Espada (Degenfisch).
Garoupa (Schwarzschwanz-Sägebarsch, Blacktail Comber). Weißes Fleisch, feiner Geschmack, ähnlich Boca Negra, aber größenbedingt viele Gräten.
Goraz Anderer Name für Peixão - siehe dort.
Imperador (Nördlicher Schleimkopf, Alfonsino). Der große Bruder des Alfonsím - siehe dort. Selten und daher teuer.
Írio (Augenstreifen-Bernsteinmakrele, Longfin Yellowtail, Almaco Jack). Kleiner Verwandter des Lírio - siehe dort.
Juliana / Abrótea (do alto) (Großer Gabeldorsch, Greater Forkbeard). Großer Bruder des Abrótea da pedra - siehe dort.
Lapas (Napfschnecken, Azorean Limpets). Azorenspezialität, teure, zähe bzw. gummiartige »Muschel«. Wer's mag...
Lírio (Große Bernsteinmakrele, Great Amberjack, Yellow Trevally). Eine Stachelmakrelenart, die fast zwei Meter lang werden kann. Festes Fleisch mit ausgewogen-kräftigem Geschmack. Meist nur in Lokalen zu finden.
Lulas, Lulinhas (Tintenfische, Calamaris, Squid). Werden auf den Azoren gefangen. Restaurants, die Lulas / Lulinhas anbieten, bereiten diese meist auch gekonnt und vor allem zart zu. Nicht im geringsten wie die berüchtigten "Fahrradschläuche" mancher deutscher Mittelmeer-Lokale.
Melga (Tiefseedorsch, Mora). Fleisch etwas schwammig, geschmacklich ähnlich Abrótea bzw. Juliana, am besten als Filet, z.B. mit Eipanade in der Pfanne.
Moreia (Muräne, Moray). Enthält viel wabbeliges Fett. Inselspezialität: in Stücke geschnitten und frittiert (Restaurant Faria, Ribeira Grande). Schmeckt dann wie die Kruste einer gegrillten Schweinshaxe mit dicker Fettschicht.
Peixão (Rote Fleckbrasse, Blackspot Seabream). Weißes, neutral schmeckendes Fleisch, eher grätig. Sieht man häufiger in Restaurants und wird manchmal irreführenderweise als Peixe vermelho (roter Fisch) bezeichnet.
Peixe espada branco (Degenfisch, Silver Scabbardfish) und
Peixe espada preto (Schwarzer Degenfisch, Black Scabbardfish). Sehr guter Speisefisch, in Stücke geschnitten, zum Braten, Grillen, in Aufläufen etc. Feiner Geschmack, weißes Fleisch, etwas grätig.
Peixe porco (Grauer Drückerfisch, Grey Triggerfish). Ein absolutes Muss, unbedingt probieren! Sehr festes rosa Fleisch, das beim Garen weiß wird. Findet man in vielen Fischlokalen. Im Laden unbedingt gleich filetieren lassen bzw. Filets kaufen, denn die Haut ist lederartig zäh und sitzt fest, das muss man gelernt haben.
Peixe rei (Meerjunker, Rainbow Wrasse). Sieht hübsch aus, ist aber geschmacklich neutral und grätig. Schwammiges, weißes Fleisch, ein Suppenfisch.
Pescada (Kap-Seehecht, Cape Hake). Ein Tiefkühlfisch, der aus dem Atlantik vor Namibia und Südafrika stammt. Festes weißes Fleisch, geschmacklich nicht schlecht, aber unauffällig.
Perca (do nilo) (Viktoriabarsch, Nile Perch). Ein preiswerter Süßwasser-Tiefkühlfisch, den man auch in Deutschland kennt.
Petinga (Sardine, Pilchard). Eine kleine Sardine in Dosengröße - siehe Sardinha.
Polvo (Oktopus, Octopus). Wird auf den Azoren meist per Harpune gefangen. Eine besondere Spezialität ist Polvo guisado = Oktopus-Goulasch in einer Rotweinsoße. Gibt es fast nur auf der Tageskarte.
Prombeta, Pombeta (Bläuel, Pompano). Eine weitere schmackhafte Stachelmakrelenart, ähnlich Encharéu.
Raia (Nagelrochen, Thornback Ray). Hier isst man nur die Flügel. Zartes, wohlschmeckendes Fleisch, wird meist gedünstet zubereitet. Dann kann man das Fleisch mit der Gabel von den Gräten schieben.
Rainha (Meerpfau, Ornate Wrasse). Schön bunt, aber weiches neutrales Fleisch und viele Gräten. Ein Suppenfisch.
Ruivo (Roter Knurrhahn, Tub Gurnard). Großartiger Speisefisch, aber leider selten. Sehr festes, weißes Fleisch, wenig Gräten, feiner Geschmack.
Salema (Goldstriemenbrasse, Cow Bream, Dreamfish). Grätig, neutrales Fleisch. Nicht empfehlenswert.
Salmão (Lachs, Salmon). Kommt auf den Azoren nur in der Tiefkühltruhe vor.
Salmonete (Streifenbarbe, Striped Red Mullet, Surmullet). Vorzüglicher und sehr feiner Speisefisch, z.B. im Backofen oder in Alufolie. Bei kleinen Exemplaren (<25 cm) hat man im Verhältnis zum Fleisch recht viele Gräten.
Sardinha (Sardine, European Pilchard). Der »portugiesische Nationalfisch« wird auf den Azoren nicht kommerziell gefangen, da es dort keine Schleppnetzfischerei gibt. Im Restaurant angebotene Sardinen bzw. Petingas stammen aus der Tiefkühltruhe.
Sargo (Geißbrasse, White Sea Bream). Wird auf Speisekarten schon mal fälschlich als »White Snapper« angeboten. Weißes Fleisch, guter Geschmack. Einer der wenigen wohlschmeckenden Fische, die auch vom Ufer aus geangelt werden können.
Serra (Pelamide, Atlantic Bonito). Ein weiterer Thunfisch/Makrelen-Verwandter, sehr ähnlich Bonito, siehe dort.
Tainha (Dicklippige Meeräsche, Thicklip Grey Mullet). Preiswerter Fisch, aber geschmacklich langweilig und trotz seiner Größe recht grätig.
Tamboril (Seeteufel, Anglerfish, Monkfish). Sehr schmackhaft, aber relativ viele Gräten. Findet man eher im Lokal.
Veja (Europäischer Papageifisch, Mediterranean Parrotfish). Sieht hübsch aus, aber ziemlich neutrales, sehr weißes Fleisch und viele Gräten.
Fleisch (Carne):
Überwiegend in Snackbars wird man auf die folgenden Gerichte stoßen, die es entweder no pão (im Brot) oder no prato (auf dem Teller) mit Pommes- und Reisbeilage gibt. Pommes und Reis gehören auf den Azoren einfach zusammen. Als Spezialität São Miguels wird gerne mal ein Spiegelei, ein Streifen salzig eingelegter Paprikaschote (oft scharf) und/oder Knoblauchzehen (die man aber nicht mitessen muss) draufgelegt. Das heißt dann z.B. Bife à régional oder auch Bitoque.

Asinhas oder auch Asas de frango: Hähnchenflügel alias Chicken Wings.
Bifana: Schweineschnitzel in Paprikasoße und Wein eingelegt. Im Brot mit Salat, Kartoffelsticks, Röstzwiebeln etc.pp.
Prego oder Bitoque: Das selbe mit dünnem, preiswertem Rindfleisch (eher: Rouladenfleisch)
Picanha: wie Prego, aber besseres Fleisch und anders gewürzt (Knoblauch), ursprünglich aus Brasilien
Bife (de vaca): besseres Rindfleisch, nicht unbedingt eingelegt, also ein Rumpsteak. Im Restaurant der Associação Agricola heißt diese Qualität Bife de pojadouro.
Escalopes de frango, auch Bife de frango: Hähnchenschnitzel

Darüber hinaus kann man in Restaurants unter anderem finden:
Bife de vazia (Rinderlende) oder sogar Bife de lombo (Rinderfilet)
Costeletas de novilho: Jungbullen-Kotelett, empfehlenswert!
Costeletas de porco: Schweinekotelett
Entrecosto: Rippenstücke vom Schwein aus dem Ofen (Spare Ribs)
Assaduras de porco: eine Art Schweinegeschnetzeltes
Lombo de porco: Schweinelende
Lombinho de porco: Schweinefilet
Torresmos (de caçoula): gebackene Schweinebauchstückchen (aus der Kasserolle)
Carne Guisado: Goulasch, normalerweise Rind
Strogonoff: Rindergeschnetzeltes in Sahne/Buttersauce (... de frango: Hähnchengeschnetzeltes)
Figado: Leber, in der Regel Schwein (Iscas de figado: Lebergeschnetzeltes - oft nur als »Iscas« auf der Karte)
Coelho: Kaninchen
Cabrito: Zicklein
Peru: Truthahn
Codorniz: Wachtel
Frango assado: Gegrilltes Hähnchen
Galinha: (Suppen)huhn
Canja (de Galinha): Hühnersuppe mit Reis
Caldo Verde: Grüne Suppe. Portugiesisches Nationalgericht aus Wildkohl, Kartoffeln und etwas Chouriço.
Sopa de legumes (Gemüse-), cenoura (Karotten-), alho francês (Lauch-), feijão (weiße Bohnen), peixe (Fischsuppe).
Morcela com Ananas: Blutwurst mit Ananas - klingt komisch, schmeckt aber gut; Die Blutwurst ist u.a. mit Zimt gewürzt
Feijoada: Bohneneintopf mit Schweinefleisch und Wurst; com dobradas: mit Kutteln
Favas guisadas: Eintopf aus Saubohnen und Fleisch
Cozido: Eintopf aus Kohlsorten, Kartoffeln und sehr viel gekochtem Schweine-, Rind- und Hühnerfleisch, sowie Blutwurst und Chouriço
Getränke:
Wasser mit Kohlensäure gibt es im Lokal nur in kleinen Fläschchen zu hohen Preisen. Wasser ohne Kohlensäure ist entweder Água fresca (gekühlt) oder Água natural (ungekühlt). Uma garrafa de água fresca grande = eine 1,5 l Flasche gekühltes Mineralwasser. Um meio litro = ein halber Liter. Wasser mit Kohlensäure ist auch im Supermarkt vergleichsweise teuer, bei Casa Cheia und Continente gibt es jedoch eine preisgünstigere Marke. Die Marke Pedras, die man oft in Restaurants erhält, ist gewöhnungsbedürftig salzig. Viele Lokale haben auf Nachfrage auch die salzärmere Marke Castello.
Das Leitungswasser ist hygienisch einwandfrei, allerdings wird manchmal mehr, manchmal weniger Chlor zugesetzt.
Limonade heißt Sumo, eine Orangenlimo ist demnach Sumo Laranja, Zitrone ist Sumo Limão. Eine (recht süße) Inselspezialität ist Sumo Maracujá, die mit dem Markennamen Kima angeboten wird.
Kaffee: Um café ist ein Espresso, der dem italienischen kaum nachsteht. Wo viele Touristen verkehren, kann man auch einen café americano (Filterkaffee) bekommen. Um beim Espresso sicher zu sein, kann man, als Tourist, vorsichtshalber dem café noch ein (ex)press anhängen. Café pingado ist Kaffee mit Milchschaum in der Espressotasse. Café carioca oder café longo ist ein Espresso mit mehr Wasser in einer großen Tasse. (Café) Galão ist die portugiesische Version des Cappucino bzw. Latte macchiato (Espresso mit Milchschaum). (Café) meio leite ist Milchkaffee.
Tee (Chá): Auf São Miguel gibt es zwei Teeplantagen (Gorreana und Porto Formoso). Es empfiehlt sich - nicht nur aus preislichen Gründen - den Tee direkt dort zu kaufen, man kann ihn da auch probieren. Der Schwarztee (Chá preto) ist geschmacklich mild, wie manche China-Schwarztees. Der Unterschied zwischen Pekoe und Orange Pekoe ist geschmacklich marginal.
Der grüne Tee
(Chá verde) ist ausgezeichnet und tendiert vom Geschmack her in Richtung Japan. Sehr empfehlenswert!
Bier (Cerveja): Man findet auf der Insel Bier von drei Brauereien.
Especial (São Miguel) ist ein Lagerbier, Super Bock (Festland) ist ein süffigeres Lager und Sagres (Festland) geht in Richtung Pils.
Bier vom Fass =
Cerveja de barril. Uma cerveja = 0,25 l. Um fino = 0,2 l. Uma tulipa = 0,33 l. Uma caneca = 0,4-0,5 l.
Wein (Vinho): Im Restaurant findet man immer eine Auswahl von roten und weißen Weinen aus portugiesischen Festlandregionen, wie z.B. Alentejo oder Dão. Weniger verbreitet sind Weine von der Azoreninsel Pico, von denen manche an Festlandgewächse heranreichen. »Micelenser« Vinho cheiro ist roter Tafelwein, was man im Supermarkt am Preis und am Kronkorken auf der Flasche sieht.
Rotwein =
Vinho tinto, Weißwein = Vinho branco; Besonders zum Fisch trinkt man hier auch gerne Vinho verde (grüner Wein), das ist junger, trockener Weißwein mit etwas Kohlensäure. Vinho rosé bzw. rosado wird zwar in Portugal produziert, aber kaum getrunken.
Likörweine: Portwein = Vinho do Porto (tinto oder branco); Vinho abafado ist eine ähnliche, lokale Spezialität.
Liköre: Auf São Miguel werden viele verschiedene Liköre hergestellt. Erwähnenswert ist Licor de Mel (Honiglikör mit 36%). Die Fabrik Mulher de Capote in Ribeira Grande kann besichtigt werden und stellt viele Likörsorten her, die durchweg sehr süß sind. Geschmacksrichtungen sind u.a. Anis, Brombeer (Amora), Maracuja, Ananas, Milch (Leite), Mandarine (Tangerina), Fenchel (Funcho) u.v.a.m. Auch Kräuterliköre vom Festland (z.B. Beirão) sind sehr süß. Anís oder Maracujá wird hier gerne mal mit Brandy kombiniert. Bittere alkoholische Getränke gibt es offenbar nicht.
Hochprozentiges: Der landestypische »Klare« wird aus Wein (nicht Trester) gemacht und heißt Aguardente. Mehrere Jahre im Fass gelagert verfärbt er sich braun, und heißt dann Aguardente Velha oder auch Brandy. Portugiesischer Weinbrand besitzt Weltruhm und mancher Aguardente Velha steht hochwertigem französischem Cognac in nichts nach, auch nicht im Preis. Empfehlenswert sind u.a. die Marken CR&F, Curvada de Velha und Ramos Pinto.
Tresterschnaps (Grappa) heißt übrigens
(Aguardente) Bagaçeira. Der Mode folgend gibt es auch einige Sorten Azoren-Gin.
Käse (Queijo):
Die Azoren sind Portugals Hochburg der Käseproduktion. Das Käsehandwerk haben die Azorer von Niederländern gelernt.
Weltruf hat der Käse von São Jorge, der je nach Alter sehr kräftig ist und etwas brennt. Nicht ganz so extrem sind einige andere Rohmilchkäse (leite cru) der Azoren, wie z.B. Lourais oder Topo.
Der Käse
São Miguel (mit schwarzer Rinde) ist sehr zu empfehlen. Er geht in Richtung des frz. Beaufort. Weniger kräftig ist zum Beispiel Picaroto.
Castelinhos ist ein herzhafter halbweicher Käse, der geschmacklich zu Limburger tendiert.
Queijo Flamengo schmeckt wie Gouda. Queijo Manteigo ist Butterkäse. Dann gibt`s viele verschiedene Queijos curados, das sind veredelte Käse, z.B. mit Knoblauch (Alho) und/oder Petersilie (Salsa) oder Paprika (Pimenta).
Kuh = Vaca, Ziege = Cabra, Schaf = Ovelho.
Ansonsten einfach schnuppern, was einem schmecken könnte.
Eine weitere Spezialität sind kleine, weiße Frischkäse-Laibe (Queijo fresco) in Salzlake. Diese isst man in der Regel mit der allgegenwärtigen Paprikapaste - siehe Bild. Die meisten Restaurants bieten das als Vorspeise an.
Kuchen, Torten, Gebäck und Küchlein (Queijadas):
Kuchen bzw. Torten oder flacheTartes sind oft sehr süß, ganz besonders jene, die aus einer Fabrik stammen. Erwähnenswert ist die Massa Sovada: Ein einfacher Hefekuchen in Form des italienischen Panettone, in verschiedenen Größen. Als Bolo do Rei gibt es etwas Ähnliches zur Weihnachtszeit mit kandierten Früchten darin und darauf.
Probierenswert sind außerdem
Bolos Lêvedos, leicht süßliches Hefebrot, das wie ein flacher Krapfen aussieht. Es harmoniert großartig mit der leicht salzigen Azoren-Butter. Eine Packung mit 5 Stück kann jeden Freitag direkt vor der Tür am Brotwagen gekauft werden. Es gibt zudem jede Menge süßer Blätterteig-Teilchen, die durchaus empfehlenswert sind, wie z.B. Apfel- oder Pekanusstaschen oder Kokosmakronen.
Kekse
(Bolachas) findet man in vielen Variationen, von einfachen Weizenmehlplätzchen bis hin zu teuren Spezialitäten aus Hafermehl oder mit gemahlenen Mandeln und Nüssen.
Diese haben aber trotzdem fast alle eines gemeinsam: Sie sind trocken und hart und eignen sich deswegen zum Tunken in Kaffee. Oder sie dienen als Krümel-Grundlage für diverse cremige Süßspeisen auf Basis gezuckerter Kondensmilch oder für Schicht-Torten.
Allgegenwärtig sind außerdem
Queijadas (Küchlein). Aus Lissabon bzw. vom Festland kennt der eine oder andere eventuell die Pastéis de nata (mit Sahnepuddingfüllung).
Auf São Miguel findet man jedoch noch häufiger andere
Queijadas, in der Regel in verschiedenen Varianten, wie z.B.:
Queijada de leite = fluffig-saftiger oder manchmal auch schwerer Teig mit viel Ei
Queijada de laranja = wie vor, jedoch mit Orangenaroma, meist noch deutlich saftiger
Queijada de feijão = mit Bohnenmus und Melasse, mit Karamel-Aroma.
Auch Kokos, Ananas oder Mandel findet man häufiger.
Eine besondere Inselspezialität sind die
Queijadas aus Vila Franca do Campo und aus dem Furnas-Tal. Sie sind immer in Papier verpackt: ein Rührkuchenteig mit extrem hohem Butteranteil, sehr gehaltvoll. Die Queijadas aus dem Vale das Furnas sind weniger süß und enthalten eine kleine Prise Kokos. Einfach probieren!
Manche Restaurants haben hausgemachte
Queijadas auf der Dessert-Karte - diese sind meist besser als die im Supermarkt. Ein Test ist jedenfalls nie verkehrt.
Paprikasoße (Pimenta da terra, Pimenta moida, ralada etc.):
Sie ist in der »micelenser« Küche allgegenwärtig und ersetzt Salz, Fleischbrühwürfel, Sojasauce etc. beim Kochen und marinieren und man streicht sie u.a. auf den Frischkäse. Typisch sind im Backofen zubereitete Gerichte (z.B. Hähnchenschenkel mit Kartoffeln) die durch Paprikasoße und Chouriço das typische micelenser Aroma erhalten. Auch der Brot- und Butterfisch Chicharro (Stachelmakrele, Blauer Stöcker) wird gerne gegrillt, gebraten, gebacken oder frittiert und mit Paprikasoße bestrichen.
Die Soße eignet sich gut, um Frischwurst etwas Pep zu geben, denn sie passt geschmacklich oft besser dazu als Senf. Sie besteht aus gemahlenen (moída) oder geraspelten (ralada) oder in Streifen geschnittenen (salgada) roten Paprikaschoten und sehr viel Salz. Üblicherweise sind es 14%, was zum Kochen in Ordnung ist, wenn man vorsichtig damit umgeht.
Die Pasten der Marke auf dem Bild sind sehr fruchtig, auf der Insel weit verbreitet und in verschiedenen Varianten erhältlich: scharf, weniger scharf, flüssig, stückig, pastös...
Süßes aufs Brot (Doce):
Honig (Mel) von den Azoren gibt es üblicherweise in drei Varianten: den süßeren Multiflora (Blütenhonig), den etwas herberen Trevo (Klee) und zu guter Letzt den weit verbreiteten Incenso ("Weihrauch"). Damit ist hier der »Krausblättrige Klebsamen« (Pittosporum undulatum) gemeint, eine weit
verbreitete invasive Baumart mit intensiv duftenden Blüten. Der daraus gewonnene Honig ist noch süßer als Blütenhonig.
Die Firma
Quintal dos Açores produziert teure »Hausmacher« - Konfitüren, unter anderem in für uns ungewöhnlichen Sorten, wie z.B. Kürbis (Abóbora), Tomate und Ähnliches. Diese werden traditionell zubereitet, d.h. ohne Pektin, aber dafür mit sehr hohem Zuckeranteil.
Industrie/Supermarkt-Marken bieten dagegen weniger Exotisches zu moderaten Preisen, wie z.B.
Pêssego (Pfirsich), Framboesa (Himbeere), Frutas Silvestres (Erdbeer, Blaubeer, Brombeer-Mix), Mirtilo (Blaubeer) und Morango (Erdbeere). Die Casa Cheia- und Continente-Hausmarken sind dabei unsere Favoriten, andere Marken sind oft recht süß.
Eine preiswerte Spezialität ist
Marmelada, das ist stichfestes Quittengelee (Quitte = Marmelo). Dieses gibt's für kleines Geld in flachen, rechteckigen Behältern. Auch das ist in der Regel ziemlich süß, es sei denn man findet eine Diät-Version (siehe Bild), bei welcher ein Teil des Zuckers durch Fruktose ersetzt wurde.
Wurstwaren:
Es gibt vier große Wurstfabriken auf der Insel, die ein ähnliches Programm anbieten, aber bevorzugte Geschmacksrichtungen besitzen. Hier unsere subjektiven Eindrücke:
- S. Rosa: sehr rustikal
- Sicosta: salzig, stark gewürzt
- Ideal: ausgewogen, manches rustikal
- Salsiçor: ausgewogen, manches auch pikant

Chouriço:
Enthält hier deutlich weniger Knoblauch als die spanische Chorizo. Roh für unterwegs essbar ist die
Chouriço Carne (teurer). Diese isst man hier jedoch üblicherweise gegrillt oder gebraten. Die Konsistenz ist ähnlich Krakauer, also mit hohem Magerfleischanteil. Chouriço Mouro (deutlich günstiger) ist nur zum Kochen geeignet, sehr fett, und enthält Schwarten.
Chouriço gibt es
picante bzw. c/ (com) picante (»mit scharf«) oder s/ (sem) picante (»ohne scharf«).

Pasta de Chouriço bzw. Chouriço moido (= Chouriço-Paste):
Großartiger Brotaufstrich, unbedingt probieren! Wir empfehlen die Paste von
Salsiçor (pikant) oder Ideal (nicht scharf, sehr rauchig). Auch sehr gut zum aromatisieren von Aufläufen etc. geeignet.
S. Rosa schmeckt hingegen sehr rustikal, Sicosta ist gewöhnungsbedürftig.

Pé de Torresmo sieht ähnlich aus, aber Vorsicht!
Je nach Hersteller schmeckt
Pé de Torresmo stark unterschiedlich: Das von Ideal ist eine Art Schweinebratenaufstrich mit ausgesprochen schmackhafter Würzung. Sehr zu empfehlen!
Das von
Salsiçor ist eine fettere Version ihrer Chouriço-Paste, aber völlig ohne Schärfe.
Sicosta enthält auch Leber und schmeckt - wie S. Rosa - ziemlich rustikal. Wer Griebenschmalz und Hausmacher-Leberwurst mag, wird an Letzteren seine Freude haben.

Sonstige Würste:
- Linguiça: Eine Art Kochsalami, oft fett, vergleichbar mit ungarischer Kolbasz. Gibt es in unterschiedlichen Dicken und Längen.
- Morçela: Blutwurst, fein gewürzt (Zimt!), nur erhitzt essen. Gebraten, mit Ananas eine Inselspezialität.
- Salsichia: rohe Bratwurst, z.T. sehr stark gewürzt. Die Variante »Toscana« zum Beispiel mit Wein.
- Farinheira: wird üblicherweise als Füllung oder für Aufläufe und Risotti verwendet. Besteht aus Mehl und Schweineschmalz, mit starkem Rauchgeschmack. Mit Magerfleischanteil (meist Geflügel), heißt diese »Wurst« dann Alheira. Die läßt sich im Backofen auch am Stück garen.

Wurst in Scheiben:
- Chourição: »Große Chouriço«, in Scheiben, schmeckt nicht streng.
- Chourição Espanhol: Schmeckt wie original spanische Chorizo.
- Peperoni: Eine Chourição-Variation, die u.a. Fenchel enthält. Seltsamerweise nicht scharf.
- Paio York: Schweinerollbraten mit Paprikawürzung, sehr mild.
- Mortadela: Mortadella.
- Fiambre: Kochschinken.
-
Presunto: Roher Schinken.
- Torresmos fatiado: ähnlich Schwartenmagen / Pressack in Scheiben (fatias). Sieht ziemlich rustikal aus, schmeckt aber mild.